Im estnischen Winter zaubern Gnome und Hexen treiben ihr Unwesen. Wenn Jouluvana mal viel zu tun hat, bringen einfach die kleinen Päkapikks die Geschenke. Und nach all dem bunten Treiben erklärt der Präsident von Estland ganz einfach den offiziellen Weihnachtsfrieden!

Weihnachten in Estland, kurz Jõulud genannt, stand ursprünglich für die Feier der Wintersonnenwende. Dieses Fest wurde zwischen dem 21. und 25.Dezember gefeiert und war dem Sonnengott Mithras gewidmet. Durch die Feierlichkeiten sollte dieser wieder aufgeweckt werden, damit die Tage wieder länger und die Nächte kürzer würden. Vor ungefähr 100-150 Jahren wurden mehr und mehr die Elemente der christlichen Religion übernommen, so dass es in Estland zu einer Vermischung von verschiedenen Bräuchen kam. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurde das Feiern der Weihnachtszeit schließlich ganz verboten. Die Esten haben ihre Tradition allerdings nicht vergessen und so lebte die Weihnachtsfeier mit der Unabhängigkeit Estlands wieder auf.

Heute feiern estnische Familien Weihnachten mit einem geschmückten Tannenbaum und viel festlicher Dekoration. Nach einer Legende soll der Weihnachtsbaum als Teil der Weihnachtsfeierlichkeiten erstmals 1441 in Estland aufgetaucht sein und sich von dort über ganz Nordeuropa verbreitet haben. Damit wäre der estnische Ur-Weihnachtsbaum noch älter als derjenige von Lettland (1510), wenn diese Legende wahr ist.

Hexen und Gnome
Bevor Jouluvana die Geschenke am Heiligabend bringt, verteilen kleine Gnome bereits in der Adventszeit kleine Geschenke. Meistens sind es Süßigkeiten und Früchte. Allerdings bringen die Gnome diese nur, wenn man in der Vorweihnachtszeit auch immer freundlich gewesen ist.

Im Gegensatz zu den zaubernden Gnomen haben Hexen in der Adventszeit nichts Gutes im Sinn. Sie sorgen für viele Unglücke und treiben Schabernack mit den Menschen. Einziges Gegenmittel: Sauberkeit! Unglaublich, aber diese Hexen können anscheinend nur mit schmutzigen Besen fliegen! Ein Nimbus 2000 wie bei Harry Potter wäre viel zu sauber um tatsächlich abzuheben.

Partyzeit und Päkapikks
Besinnlichkeit ist eine vorweihnachtliche Atmosphäre, die in Estland fast gänzlich unbekannt ist. Die Adventszeit ist vielmehr eine endlose Party mit deftigen Festgelagen. Ob geschäftlich oder privat, man feiert ausgelassen und stößt mit Punsch - natürlich veredelt mit Wodka - gleich mehrfach an.

Am Vorabend des 24.Dezember schalten die Esten aber einen Gang runter und lassen es ein wenig ruhiger werden. Die Familie kommt zusammen und geht zur Entspannung erst einmal in die Sauna. Danach gibt es ein großes Weihnachtsfestessen mit Verivorst (Blutwurst), Sült (Kopfsülze), Braten oder Gans, Kartoffeln und Roggenbrot. Dazu genießen die Esten gerne Bier und selbstgebrannten Schnaps. Beliebte Süßigkeiten sind Marzipan, Früchtekuchen und Pipparkogid (Kekse mit Pfeffer, Kakao und Zimt).

Nach dem Essen erscheint schließlich Jouluvana, der Weihnachtsmann, mit den Geschenken. Er kommt dafür extra aus Finnland rüber nach Estland. Falls er mal keine Zeit hat, übernehmen die Päkapikks, kleine Wichtel und Gehilfen des Weihnachtsmannes, diese Aufgabe. Allerdings verteilen sie die Geschenke nicht und so muss derjenige, der sein Geschenk haben möchte, dafür etwas tun - ein Lied singen, ein Gedicht aufsagen oder tanzen. Estnische Weihnachten sind also eine ziemlich lustige Familienfeier!

Offizieller Weihnachtsfrieden
Jedes Jahr am 24.Dezember erklärt der Präsident von Estland offiziell den Weihnachtsfrieden und nimmt an einem Weihnachtsgottesdienst in Tallinn teil. Diese Verkündung ist eine Tradition, die bereits 350 Jahre alt ist und im 17. Jahrhundert auf Befehl der Königin Kristina von Schweden eingeführt worden ist. Also dann...

Rõõmsaid Joulu Pühi! - Frohe Weihnachten!

 

Veröffentlicht am 16.12.2005
von Svenja Friedrich, europa-digital.de

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