

Ein einziger Festschmaus ist die Adventszeit bei den Norwegern. Beim "Julbord"
werden Verwandten und Freunden bis zu 60 verschiedene Leckereien aufgetischt. In
der Weihnachtsnacht stellen die Kinder für den "Julmann", der mit seinen
Geschenken aus Lappland anreist, eine Schüssel mit Grütze ans Fenster. Sie soll
eine Art "Bestechung" sein für die Weihnachtswichte die "Julnissen", die dem
Julmann helfen. Gibt’s keine Grütze, machen die Wichtel/Trolle jede Menge Ärger
...
Katze
auf dem Dovreberg
(Geschichte von Peter Christen Asbjörnsen
und Jörgen Moe,
Bild: Nationalbibliothek Norwegen)
Es war einmal ein Mann droben in der Finnmark, der hatte einen großen weißen
Bären gefangen. Den wollte er dem König von Dänemark bringen. Nun fügte es sich,
daß er am Weihnachtsabend zum Dovreberg kam. Als er aus einer Hütte Licht
dringen sah, klopfte er dort an und bat den Bewohner um Unterkunft für sich und
seinen Bären. Der Mann in der Hütte hieß Halvor.
"O bewahre!" sagte der. "Heute können wir keinem Unterkunft geben! Am
Weihnachtsabend kommen immer so viele Trolle hierher, daß wir selber in den Wald
hinaus müssen und für die Nacht kein Dach überm Kopf haben." "Ach, du kannst
mich dennoch hier übernachten lassen", sagte der Finnmärker. "Mein Bär kann
hinterm Ofen liegen - und ich selber im Verschlag." Er redete so lange, bis es
ihm gestattet wurde. Darauf gingen Halvor und die Seinen in den Wald, nachdem
sie zuvor den Trollen zum Festschmaus aufgetischt hatten. Auf den Tischen
standen Weihnachtsgrütze, saure Sahne, mit Lauch gewürzter Stockfisch und
leckere Wurst.
Zu vorgerückter Stunde kamen die Trolle. Manche waren groß, andere klein, manche
hatten einen langen Schwanz, andere gar keinen, und einige hatten furchtbar
lange Nasen. Sie alle aber langten kräftig zu und ließen sich die guten Dinge
schmecken.
Plötzlich entdeckte eines der Trollkinder den Bären hinter dem Ofen. Es nahm ein
Stück Wurst, steckte es auf einen Spieß und briet es über dem Feuer. Dann trat
es dreist an den Bären heran und hielt ihm die Wurst so dicht unter die Nase,
daß diese angesengt wurde. Dabei sagte das Trollkind: "Na, Katze, magst du
Wurst?" Da schnellte der Bär mit zornigem Brummen hoch und jagte alle Trolle,
kleine wie große, hinaus.
Im Jahr darauf war Halvor am Nachmittag vor dem Weihnachtsabend im Wald, um Holz
zum Fest heranzuschaffen, denn er erwartete wieder die Trolle. Als er gerade
dabei war, Bäume zu fällen, hörte er aus der Tiefe des Waldes rufen: "Halvor!
Halvor!" "Ja, was ist?" fragte er. "Hast du deine große Katze noch?" rief es
wieder aus dem Wald. "Aber ja! Sie liegt hinterm Ofen" antwortete Halvor. "Sie
hat geworfen und sieben Junge bekommen. Die sind noch viel größer und wilder als
sie selbst." "Dann kommen wir nie mehr zu dir!" tönte es aus dem Wald.
Und seitdem verzichten die Trolle auf die Weihnachtsgrütze bei Halvor am
Dovreberg.
Frohe Weihnachten - God Jul!